Thema: Verzweiflung

  1. #1
    Gast
    Gast

    Verzweiflung

    Hi.
    Meine Frau hat mich vor 10 Wochen gebeten auszuziehen, was ich dann auch getan habe, denn ein paar gute Freunde haben mich aufgenommen. Wir haben 4 Kinder und sind seit 9 Jahren verheiratet. Ich muss allerdings gleich bemerken das meine Frau seit langer Zeit versucht hat an mich ranzukommen und viel probiert hat, um unsere Ehe zu retten. Ich habe sie nie betrogen, aber ihr dennoch viele seelische Narben zugefügt. Ich habe ihr in finanziellen Dingen oft nicht die Wahrheit gesagt, so daß sie sich irgendwann übergangen und ausgenutzt vorkam. Ich versprach ihr immer wieder mich um meine Schulden zu kümmern, die eine gescheiterte Selbständigkeit verursacht hatte (vor unserer Ehe). Das tat ich in all den Jahren nicht. Wenn sie das Thema ansprach, brach ich einen Streit vom Zaun, nur um nicht darüber reden zu müssen. Dabei merkte ich nicht, wie sehr mich dieses Problem immer mehr herunterzog und auf alles ausstrahlte, was unsere Ehe betraf. Ich begann mich vor ungefähr 2 Jahren immer mehr in mich selbst zurückzuziehen. Kam von der Arbeit, setzte mich vor den Computer, ging dann von dort direkt vor den Fernseher und wartete darauf, daß sie ins Bett ging. Trank dann 3-4 Bier und ging dann irgendwann auch ins Bett. Ich wollte einfach nicht mehr reden. Wir haben in den letzten 2 Jahren sehr selten miteinander geschlafen und in den letzten 15 Monaten gar nicht mehr. Dabei war das immer etwas gewesen, was uns beide glücklich machte. Es war nicht so, daß ich sie nicht mehr liebte oder begehrte, aber ich war in mir selbst gefangen und kam aus diesem Teufelskreis nicht mehr raus, lies aber auch keine Hilfe zu. Wir stritten uns nicht mal mehr und waren beide total unglücklich. Wir hatten in den ersten vier Jahren eine fast schon zu euphorische und glückliche Beziehung, die sich dann normalisierte auf normale Höhen und Tiefen, dann aber abglitt durch mein Verhalten. Sie hat oft ein klärendes Gespräch gesucht, danach ging es dann ein paar Monate, bis alles wieder verfahren war. Ich weiss, das klingt so, als hätte ich sie nicht mehr geliebt und sie ist auch davon überzeugt, aber ich weiss, wie sehr ich sie liebe. Sie war am Schluss einfach ausgebrannt, was ich auch verstehe, und musste diesen Schnitt machen. Durch diese einschneidende Veränderung bin ich endlich aufgewacht und mir wurde erst da bewusst, was ich leichtfertig verschenkt habe. Aber es war zu spät. Sie hat schon mit mir abgeschlossen. Obwohl ich es jetzt geschafft habe und all die Dinge erledigt habe, die ich so lange aufgeschoben hatte und durch diese Befreiung endlich wieder zu mir gefunden habe, werde ich wohl keine weitere Chance mehr bekommen. Sie ist jetzt regelrecht aufgeblüht und hat vor kurzem einen Mann kennengelernt mit dem sie sich jetzt trifft. Ich hatte erst noch Hoffnung, weil sie gesagt hatte ich soll erstmal mit mir ins Reine kommen und wir uns bei ein paar Treffen nach der Trennung wirklich gut verstanden haben und uns auch gut unterhalten haben. Sie sagte das sie jetzt erstmal allein sein will und sich selbst wiederfinden müsse, aber wer weiss was in einem halben Jahr wäre. Doch ich habe sie mit meiner Hoffnung auf eine Fortsetzung unserer Partnerschaft zu sehr unter Druck gesetzt anstatt sie wirklich einfach mal in Ruhe zu lassen. Ich weiss nicht ob diese neue Beziehung nur eine Flucht ist, oder ob ich alles einfach hinter mir lassen soll. Da sind halt noch die Kinder, die sich nichts mehr wünschen, als das ihre Eltern wieder zusammenkommen und die irgendwie dazwischenhängen, was nicht gut ist. Ich wünschte es gäbe noch einen Weg für uns, aber ich habe wohl schon zuviel Vertrauen und Achtung verloren. Was kann ich tun?

  2. #2
    Gast
    Gast

    hallo

    also als ich deine zeilen las wurd ich sofort wach, es geht mir sehr ähnlich! fast genau das gleiche. und ich kann nachvollziehen wie du dich fühlst. ich hab die gleichen fehler gemacht, leide genau wie du und suche ebenfalls nach einem weg. du bist nicht alleine mit dem erlebten und ich frage mich warum man erst so leiden muss um aufzuwachen. esist ein krampf, ein kampf und man fühlt sich so hilflos. sicherlich trösten meine worte auch nicht, können sie auch nicht denn dieses scheiss gefühl lässt einen niemals los. auch wenn man ne neue partnerin hat leidet man innerlich weiter. und begeht dabei wieder einen fehler nach dem anderen.
    was hilft? flucht? schrei nach hilfe? weinen? nichts hilft...
    denn man bereut so viel, man denkt drüber nach und kommt doch immerwieder in diese kreisbewegung. es tut weh.
    verstehe dich voll und ganz......und auch wenns dir nicht viel bringt du bist nicht alleine auf der welt mit dem problem.

    gruss
    reiner

  3. #3
    Gast
    Gast
    Danke für deine Antwort. Hab jetzt endlich eine Wohnung gefunden, im gleichen Ort, sodas die Kinder mich jederzeit besuchen können. Die stehen total hinter mir, das erleichtert vieles. Werd mich von ihr jetzt erst mal total fernhalten, auch wenn es schwer ist. Habe eine Psychotherapie angefangen, kann ich nur empfehlen. Ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt etwas neues anzufangen, wäre auch unfair der neuen Partnerin gegenüber. Sie wäre nur ein Platzhalter. Will aus meinen Fehlern lernen und Stärke und Unabhängigkeit entwickeln. Sie war die Liebe meines Lebens und ich weiss aus Gesprächen mit ihrer Freundin, dass ich das auch für sie war. Doch jetzt macht sie mich für alles verantwortlich, sagt ich hätte ihren Lebenstraum zerstört. Das ist ziemlich hart. Ich seh aber keine Chance mehr, sie hat gesagt sie könnte mir nie mehr vertrauen und das wäre für sie keine Basis.
    Ist irgendwie auch so eine Art Midlifecrisis von ihr. Hat sich total verändert: 17 Kilo abgenommen, richtet sich auf einmal nach Tarotkarten, hat jetzt so eine Art Wochenendbeziehung, renoviert jetzt unser (ihr) Schlafzimmer usw. Kann mir aber nicht vorstellen, dass sie unsere Ehe nach nur 8 Wochen schon verarbeitet hat. Ich hoffe, dass diese Beziehung nicht lange hält. Sie verheimlicht es jedenfalls vor den Kindern und vor ihren Eltern. Kann man so etwas ernst meinen? Oder findet sie jetzt nur das, was sie in den letzten 2 Jahren von mir nicht bekommen hat? Mache mir zuviel Gedanken, muss das abschalten. Werde jetzt erstmal mein Leben neu ordnen und mich auf die Kinder und mich selbst konzentrieren. Im Moment will sie mich überhaupt nicht sehen, habe das Gefühl es tut ihr weh. Muss ich respektieren. Weiss allerdings von den Kindern, dass sie zumindestens Zweifel hat(te). Aber ihre Freundinnen haben ihr das wieder ausgeredet. Aber wenn sie sich da so beeinflussen lässt, kann da auch nicht mehr viel Gefühl da sein, wenn überhaupt. Muss mich lösen und im Jetzt leben. Alles andere wird sich zeigen.

  4. #4
    Gast
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    hi

    ach du kacke hey.......also wir scheinen ja echt die selben scheiss problems zu haben. genau das was du schriebst ist bei mir auch der fall! fast bis ins detail. auch ich fange nächste woche eine therapie an....verarbeite das ganze in dem ich anfing ein buch zu schreiben....kapitel für kapitel bittere wahrheit über mich, meine fehler aber auch ihre fehler. ansonsten isses ja wie ich bereits gestern geschrieben hab. also genau das gleiche.

    kannst dich gern mal melden

    phoenix35151@hotmail.com

    gruss
    reiner

  5. #5
    Gast
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    Tach ihr beiden.

    Was ihr schreibt kommt mir sehr bekannt vor....fast 100%. Allerdings aus einer anderen Perspektive. Ich bin das Kind einer solchen Beziehungsgeschichte wie ihr sie beschreibt...nur hatte ich nicht den Segen dass sich meine Eltern früh haben scheiden lassen, sondern gewartet haben bis ich 18 war (bin 22).

    Was soll ich dir sagen Gast. Versuch die Frau zu vergessen, ich weiß dass das schwierig ist. Aber du hast momentan wichtigeres zu tun als deiner Frau hinter her zu trauern bzw. sich um ihre Lebensweise Gedanken zu machen.

    Bekomme dein Finanzleben auf die Reihe, schau dass du eine anständige Situation für dich und deine Kinder hin bekommst und sei nicht zu sehr "Ich"-Fixiert.

    Ich hab so einen Vater, der sich irgendwann nur um sich gekümmert hat....vor meiner Mutter flüchtete,vor seinen (Finanz)problem und vor lauter Beschäftigung mit seinem Leben die Sicht für meines verloren hat. Und das ging fast 10 Jahre so.

    Das Ende vom Lied:
    Ich bin auf meinen Vater nicht gut zu sprechen, oft hasse ich ihn sogar, wünschte eigentlich ich würde ihn nie mehr sehen/hören oder mich sonst wie mit ihm beschäftigen müssen. Wegen seiner beschissen Finanzlage bin ich gezwungen recht ärmlich zu leben (Tage lang nur Reis essen, das gibts nicht nur im Jungle) ich bin Student und bekomme von ihm keine finanz. Unterstützung. Und ich bin Einzelkind. Wie ist das erst bei 4 Kindern.....

    Wie gesagt, schau das du deine Leben auf die Reihe bekommst´, vor allem für deine Kinder. Ansonsten wirds nur noch schlimmer.
    Und das du zum Psychater gehst find ich super. Ich wünschte mein Vater hätte das getan.


    Gruß und Kopf Hoch,

    Jester

  6. #6
    Gast
    Gast
    Hi.
    Habe meine Finanzprobleme schon vor 8 Wochen angegangen und einen Privatinsolvenzantrag gestellt. Habe 1300€ zusammengekratzt und einen Anwalt damit beauftragt. Bei der Schulnerberatung hätte ich bis zu 4 Jahre warten müssen, das war mir zu lang. Jetzt ist alles in die Wege geleitet und in sechs Jahren bin ich schuldenfrei! Habe mein Leben auch sonst komplett neu geordnet und bin im Moment sehr zufrieden mit mir. Allerdings ist da immer diese Schuld im Hinterkopf, die allem einen schalen Beigeschmack gibt. Freu mich auf die neue Wohnung, will endlich wieder ein Zuhause haben. Wenigsten können wir jetzt wieder miteinander reden. Möchte nicht, dass die Kinder darunter leiden, versuche immer für sie da zu sein, das klappt auch ganz gut. Im Moment bin ich ziemlich unwichtig für meine Frau, aber solange ich von den Kindern so akzeptiert werde wie jetzt, fällt mir vieles leichter. Finanziell geht es ihr gut, ich zahle auch Unterhalt, soviel ich kann. Die Kinder reden sehr viel mit mir über ihre Probleme, weil das Thema daheim eher totgeschwiegen wird. Sie hat den Kindern einen Vorschlag gemacht mit Besuchszeiten, die haben aber darauf bestanden, dass sie mich sehen können wann immer sie wollen. Nur wenn mal etwas aussergewöhnliches ansteht, wie ein Ausflug, soll ich sie vorher fragen um uns abzustimmen. Ist o.k.. Sie hat ja schon den einfachen Weg eingeschlagen, mit der neuen Beziehung. Sehen sich nur am Wochenende. Da ist dann natürlich auch kein Alltagsstress dabei und man kann mal von allem abschalten. Das mit unserer Ehe zu vergleichen ist nicht fair. Habe ausserdem das Gefühl, dass sich dieser Typ auf meine Kosten profiliert. Der hat es ja auch einfach, braucht nur in die richtigen Kerben hauen und steht dann als verständnisvoller Retter da. Würde mich mal interessieren woran seine letzte Beziehung gescheitert ist, hat ihr bestimmt nicht die Wahrheit gesagt. Sie hat es jetzt den Kindern erzählt, weil die sie dazu gedrängt haben. Die sind ja auch nicht blöd. Die lehnen ihn total ab, was aber wohl normal ist denke ich. Hat immer öfter Probleme mit unserem Ältesten (15). Hat mich vor kurzem angerufen, damit ich mal mit ihm rede. Habe ich dann auch gemacht, war ein positives Gespräch. Ich werde jetzt einfach Schritt für Schritt ein neues Leben anfangen und alles auf mich zukommen lassen. Werde meine ganze Konzentration dazu verwenden, dass ich immer für die Kinder dasein werde wenn sie mich brauchen, mein Insolvenzverfahren durchzuhalten und so weiterzuleben wie ich es im Moment tue. Ich freue mich auf jede Psychotherapiestunde, weil ich merke, wie sehr mich das weiterbringt, um die Fehler die ich gemacht habe nie mehr zu machen. Schade, dass es für einen Neubeginn nicht mehr reicht, denn ich habe bereits jetzt viel aus meinen Felern gelernt. Es ist aber trotzdem noch viel aufzuarbeiten. Verstehe nicht, wie sie das in so kurzer Zeit geschafft haben will. Auch wenn es mir schwerfällt, wünsche ich mir das sie glücklich ist. Vielleicht hat sie ja irgendwann einmal den Abstand und die Zeit, um über uns mal ganz normal nachzudenken und sich auch an die vielen positiven Momente in unserer Beziehung zu erinnern. Aber ich werde nicht da sitzen und auf sie warten. Man weiss nie, was die Zukunft bringt. Kann auch sein, dass ich mich irgendwann neu verliebe, aber im Moment möchte ich mit mir erstmal ins Reine kommen. Habe keine Angst mehr davor, allein zu sein. Ich brauche niemanden um mein Leben im Griff zu haben! Ich liebe sie trotz allem noch immer, werde ihr oder anderen das aber nicht mehr zeigen. Ich war in vielen Dingen zu unreif und vielleicht erkennt sie eines Tages, das ich doch fähig bin mich zu ändern und das es sich lohnt mir Vertrauen und Liebe zu schenken. Aber um eine Beziehung wieder aufleben zu lassen, müssen Gefühle und Liebe vorhanden sein und diese Basis ist momentan nicht vorhanden. Doch ich werde leben und nicht dasitzen und darauf warten, denn wenn man darauf lauert oder darauf spekuliert, wird so etwas nie passieren. Wenn überhaupt, passiert so etwas völlig unverhofft. So, jetzt werde ich erstmal das ganze Wochende auf einem Open Air verbringen und Spaß haben. Bis dann, Claudio.

  7. #7
    Gast
    Gast
    Ich hoffe für dich(und deine Kinder) dass du es schaffst. Und ich finds toll dass du das so angehst. Ich wünschte mein Vater hätte das so gemacht. Wenn du mal nicht weiter weißt oder meinst es nicht dürchhalten zu können. Wir sind hier. Merkst ja, deine Situation ist nicht so selten.

    Gruß,

    Jester

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