Thema: ein abend
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Tatulla
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ein abend
Sie hat sich eingeredet, das sie sich auf diesen Abend freut; Und nun hetzen sie beide durch die Wohnung, sicher in den seid Jahren eingespielten Mechanismen der Vorbereitung des Ausgeh-Abends, und doch zu spät.
Er wirft einen letzen Blick in den Spiegel, empfängt ihren abschätzigen Blick und seufzt.
„Gefällt’s dir nicht?“
„Doch- doch“ Hektisch hantiert sie mit dem Kajal. „Jetzt ist es sowieso zu spät.“
Müde grinst er in den Spiegel. „Ich sollte mir doch das Buch kaufen.“
Sie kramt in ihren Ohrringen und ahmt weiter hektisch ein Gespräch nach. „Wenn du das machst verlass ich dich“ „Dann muss ich wohl lernen dich zu verstehen“ sagt er und greift nach ihrer Hüfte, und ärgerlich macht sie sich los, als wäre er ein Fremder. Eine eingespielte Geste von Beiden, und der Stumpfsinn ewiger Wiederholung reibt sich wie Salz in ihre Seelen.
„Worum geht’s heute?“ fragt er, in der Badtür und betrachtet sie uninteressiert, ein Ding, ein Name, der sein Vorstellung immer da war und sein wird, verflacht und schemenhaft.
„Weiß nicht- steht auf der Karte“ Es wäre ein Abend darüber zu reden denkt er, anzusprechen was ihnen fehlt, und tut es doch wieder nicht, wie seid Monaten.
Er lässt sie im Bad stehen, fischt die Karte vom Küchentisch. Jan-Patrick Kreuger liest aus seinem Werk ‚Gewaltvisionen’.
Als sie mit langen, rastlosen Schritten durch die Küche geht hält er den Flyer hoch. „Gewaltvisionen“ „Hm-hm“ Plötzlich wird ihm klar das nichts mehr, was er sagt, sie irgendwie berühren kann.
Er starrt aus dem Fenster, auf ins gelbliche Licht der Straßenlaterne und ballt die Fäuste. Sie kommt zurück, wühlt in ihrer Handtasche und wirft ihm einen kalten Seitenblick zu.
„Alles in Ordnung?“ fragt sie anklagend. „Ja.“ „Echt?“ „Ja.“ „Gut. Hast du die Schlüssel?“ Er klimpert damit und wartend dann im Hausflur, während sie das Licht kontrolliert.
Im Auto fällt es ihnen am schwersten die Illusion einer menschlichen Beziehung aufrecht zu erhalten. „Letztes Mal war gut“ „Hmhm“ „Ich hab mein Handy vergessen“ „Mein kleiner Schussel“ „Du vergisst doch selbst dauernd was“ „Das sollte kein Vorwurf sein“ „Klang aber so“ Schweigend konzentriert er sich auf die Straße.
Dieser Abend sollte Entspannung sein, ist es aber nicht, und so merkt er, während er mit zitternden Händen durch die Gänge schaltet den Streß an ihm nagen wie eine Ratte, meint zu spüren wie sie sich durch seine Verstand und seine Eingeweide wühlt, und ist wütend auf sich selbst weil seine einzige Reaktion, seine einzige Abwehr, Albernheit ist.
„Wieviele Acryls sind eigentlich für deine Tasche gestorben?“ Sie nimmt so was schon gar nicht mehr war: „Du musst hier links“ „Ich weiß“ „Du hast nicht geblinkt“ „Wollte ich gerade“ „Ich sag’s nur“ „Danke“
Sie springen aus dem Auto und in die Halle, wo sie noch fünf Minuten sitzen.
Jan-Peter Kreuger, hipperweise JPK genannt, ist ein dürrer Mittzwanziger in hautengen Klamotten, apokalyptischer Akne und einem schamesroten Gesicht. In seinen Geschichten beschreibt er wie er seine Mutter mit ihrem Lieblingsmesser häutet, bei seinem Zivildienst Rentner im Kneipp-Bad ertränkt und eine patriarchische Zukunfstgesellschaft mit Massenvergewaltigungen auf offener Straße, durchmischt von seltsamen Grass- Analogien.
Sie sind angewidert und bleiben. Sie ist angeekelt und ärgert sich über den verdorbenen Abend, er ist wütend auf den Versager auf der Bühne, der ihm den Sex für heute versaut hat.
Und tatsächlich, als sie später im Bed liegen und sie seine plumpen Annäherungen abwehrt, dreht er sich auf seine Seite, bestraft sie wie immer mit Wärmeentzug und ist bald eingeschlafen.
Sie liegt da und denkt das sie sich von ihm trennen muss, es geht so nicht weiter. Sie hat einen Artikel darüber gelesen wie man sich am besten trennt ohne das daraus ein Gemetzel wird. Im Geiste geht sie die Liste der alten Freunde durch, die sie wieder anrufen muss.
Später, im Halbschlaf, kommt es ihr für einen Moment so vor als fehle etwas wichtiges in ihrem Leben, aber dann fällt ihr wieder ein das es 38% der Frauen in ihrer Altersklasse (21-31) so geht und das es höchtswahrscheinlich an einem leichten Östrogen-Mangel liegt und schlaftrunken erhebt sie sich noch mal um eine Erinnerung an einen Termin beim Frauenarzt in ihr Handy zu tippen.


