Mir geht es so, wie vielen hier. Ich weiß nicht mehr weiter. Vor zwei Wochen habe ich meine große Liebe verloren. Seit dem bin ich so dermaßen durch den Wind. Ich kann nicht mehr essen, nicht mehr schlafen, nicht mehr arbeiten, nicht mehr denken. Eine Freundin hat mich auf dieses Forum gebracht, zum Glück.

Mein Ex und ich waren 4 Jahre zusammen. Er kam neu in die Firma, in der ich arbeite. Die Chemie zwischen uns stimme auf Anhieb. Er war 24, ging aber schon damals locker für 30 durch. Ich war 34 und hatte keine Ahnung, dass er noch so jung war. Er wusste immer, wie alt ich bin. Als ich das erfuhr, ging ich erst mal auf Distanz und machte ihm klar, dass 10 Jahre ganz schön heftig wären und er mir doch etwas zu grün sei. Tja, aber der Bursche ließ nicht locker und zog alle Register, was soll ich sagen, ich war schon verloren, es hatte mich voll erwischt. Er sagte, dass er sich nicht um mein Alter scheren würde und außerdem sähe ich wesentlich jünger aus, er viel älter und somit sei ja alles in bester Ordnung. Was ich dann erlebte, war wohl die beste Zeit meines Lebens. Der Altersunterschied war echt egal, er war schon ziemlich reif und ich war ja mit 34 auch noch nicht verknöchert. Es war einfach wunderschön. Er sagte, er hätte sich so viel Glück nie vorstellen können und ich hätte nie gedacht, dass mir mal jemand so nahe kommen würde wie er.

Wir hatten ein tolles erstes Jahr, obwohl wir von Beginn an eine Wochenendbeziehung führten. Er wohnt 30 km von mir entfernt bei seinen Eltern. Schon damals sprach er davon, auszuziehen. Ich hab das Haus meiner Eltern zur Hälfte „geerbt“, ich habe eine Wohnung unterm Dach, meine Eltern leben im EG. Zu mir zu ziehen, war für ihn keine Option, er wollte „was eigenes“, das habe ich akzeptiert, meine Wohnung lässt sich auch gut vermieten. Es war für uns beide klar, dass wir zusammen leben wollten. Wir waren sehr verliebt, es gab Nicklichkeiten, keine großen Streits, auch im Bett hat es nie Probleme gegeben. Er hat von Anfang an davon gesprochen, dass er Frau und Kinder will und zwar nicht „irgendwann mal“, für ihn war Familie ein erklärtes Lebensziel. Ich war in diesem Punkt etwas zurückhaltender, ich hatte in einer früheren längeren Beziehung nie das Bedürfnis nach Kindern und auch die Ehe immer weit von mir gewiesen. Damit Ihr das nicht falsch versteht, ich liebe Kinder, habe zwei süße Nichten, aber mit meinem damaligen Partner hätte ich mir das niemals vorstellen können.

In dieser Zeit hat MEF sich entschieden, eine berufliche Fortbildung anzufangen. Ich habe ihn dazu ermuntert, ja geradezu gedrängt. Das hieß 2 Jahre Vollzeitschule, kein Einkommen und wenig Zeit für die Liebe. Eine gemeinsame Wohnung war vorerst nicht drin, er blieb in seinen 2 „Kinderzimmern“. Kein großes Problem an sich, denn ich verstehe mich mit seinen Eltern sehr gut, vor allem mit seiner Mutter, sie ist nur 12 Jahre älter als ich. Die Schule verging schnell, wir hatten weniger Zeit zusammen, aber das wussten wir vorher, die Lernerei hat ihn oft genervt. Ich hab versucht, ihn zu unterstützen wo es ging, mich zurückgenommen, ihn an unseren raren Wochenenden noch zum Fußball geschickt, ihn aufgebaut, ihn gecoacht als er Vorstellungstermine hatte. Er hat dann auch einen super Job gefunden, in der Nähe seines Wohnorts. Besser geht’s nicht!

Sicher, auch in unserer Beziehung war der „Alltag“ eingekehrt. 9 von 10 WE war ich bei ihm zu Hause, das hatte sich in der Schulzeit so eingeschliffen. Während der Woche hing jeder in seinem Job fest. Wir telefonierten täglich und sahen uns vielleicht 1 Mal zwischen Montag und Freitag. Für mich war unsere Liebe trotzdem lebendig. Er war für mich „mein Mann“, Numero Uno, andere haben mich nie interessiert. Ich denke schon, dass etwas in den drei Jahren zwischen uns gewachsen war, das man „Liebe“ nennen kann. Die Tatsache, dass wir die schwierige Schulzeit, Wochenendbeziehung und einige Krisen gemeistert hatten und die Art, wie er mit unserer Beziehung und mir umging hat meine Einstellung zu „Familie“ verändert. Komisch, plötzlich konnte ich mir mit ihm Kinder und noch viel mehr vorstellen. Mittlerweile waren wir beide auch älter geworden (ich 37, er 28). Zur Erinnerung: Er nie „jetzt nicht – später“ gesagt.

Als dann das Thema „zusammen ziehen“ wieder auf die Tagesordnung kam, brachte er die Variante „Haus bauen“ ins Spiel. Nun habe ich halt schon ein Haus, das ich abzahle. Leider kann ich es nicht verkaufen, meine Eltern haben das Wohnrecht. Es gab einige Diskussionen übers Geld und am Ende die Erkenntnis, dass wohl eine gemeinsame Wohnung vorerst besser wär. Also Zeitung auf und Anzeigen gelesen, monatelang (Sep – Dez). Es waren einige gute Angebote dabei aber wir haben bis heute weder einen einzigen Anruf getätigt, noch eine einzige Wohnung besichtigt. Keine Zeit, „doofer Vermieter“, Wohnung zu alt….

Weihnachten kam es zum großen Krach. Wir haben uns angeschrien, es gab Tränen, er sagte zum ersten Mal, dass er sich mit einer Familie noch Zeit lassen wolle. Ich verstand die Welt nicht mehr – drei Jahre lang die Schiene „ich will Kind und Kegel“ und dann plötzlich 180° in die andere Richtung? Es gab schließlich eine große Versöhnung und das Versprechen, das „Zusammenziehen“ jetzt ernsthaft anzupacken. Er wollte sich sogar überlegen, ob er nicht doch vorerst zu mir zieht. Schon da hätte ich sehen müssen, dass etwas nicht stimmt. Unser Alltag ging weiter wie bisher, aber in Sachen Wohnung ging weniger als nix und mir ging es immer mieser bei der Vorstellung, dass dieser Zustand jetzt schon 7 (!) Monate andauerte und wir nur Anzeigen lasen, sich aber sonst nichts bewegte. Es gab keinen Grund mehr zu warten. Und auf was? Das Wochenende nach Ostern hatten wir uns nicht gesehen, Mittwoch darauf kam es wegen irgendeiner Kleinigkeit am Telefon wieder zum Streit um das leidige Thema. Da ist mir dann der Kragen geplatzt und ich habe das getan, was ich nie tun wollte – ich habe ein Ultimatum gestellt. Bis zum WE sollte er sich überlegen, wie es weitergeht und was er will. Freitag bin ich dann mit einem flauen Gefühl zu ihm gefahren. Dann hat er mir seine Entscheidung präsentiert. Durch seinen Job habe er viele neue Leute kennen gelernt und gesehen, dass sich neue Optionen ergeben könnten, er habe jetzt endlich auch die Möglichkeit, sich finanziell größere Wünsche erfüllen zu können, er will die Welt sehen, reisen, sein Leben genießen. Kinder hätten da keinen Platz und ich auch nicht, weil ich mir ja das alles nicht leisten könne mit meinem Haus, im Moment sehe er keine Basis mehr für uns beide. Mir hat es buchstäblich den Boden unter den Füßen weggezogen. Von einem Tag auf den anderen war das Lebensziel, für das wir vier Jahre lang gekämpft hatten in Frage gestellt. Mit einem Mal sollte alles, was wir miteinander geschafft hatten, nichts mehr Wert sein. Ich habe ihm dann sein erahmtes Bild zurückgegeben und bin gegangen. Die Liebe meines Lebens hatte mich verlassen. Am 28.05.2006, auf den Tag genau 4 Jahre nachdem wir uns das erste Mal geküsst hatten.

Ich war noch keine 10 km weit weg von ihm, da bin ich auf einen Parkplatz raus und hab ihn angerufen. Ich habe geweint, und gefleht, dass das nicht wahr sein kann, er hat mitgeheult und gesagt, er wüsste nicht, was mit seinen Gefühlen passiert sei. Eine Stunde haben wir telefoniert und uns dann darauf verständigt, noch mal miteinander zu reden. Dieses Wochenende werde ich nie vergessen, es war die Hölle. Weinkrämpfe, Verzweiflung, Hoffnung, Hilflosigkeit usw. Ich denke, Ihr wisst, wovon ich spreche. Das schlimmste ist das „Kopfkino“, das dann anläuft. Du siehst Bilder und erinnerst Dich an Dinge, an die Du ewig nicht gedacht hast und es hört nicht auf. Der Film läuft permanent und Du kannst ihn nicht abschalten. Du kannst nichts essen, weil sich um Deinen Magen eine Schlinge gezogen hat, die nicht mehr aufgeht. Mit Tabletten bin ich über die ersten Nächte gekommen.

Am 02.05.06 haben wir uns noch mal getroffen und über eine Stunde geredet. Ich habe ihn gebeten, nicht alles was wir hatten, so einfach wegzuwerfen, nicht die Tür zuzuschlagen, bevor wir überhaupt eine echte Chance zusammen hatten. Er war selber ziemlich fertig und wusste nicht, wie er mich trösten sollte. Ich habe ihm vorgeschlagen, dass er sich erst mal selber eine eigene Wohnung sucht und ihm dringend geraten, das auch durchzuziehen, mal was zu machen, anstatt nur immer zu reden. Ich habe ihn gefragt, ob es jemanden anderen gibt. Er hat es verneint und ich glaube ihm sogar. Seitdem herrscht relative Funkstille. Am 04.05.06 wäre unser 4. Jahrestag gewesen. Und ich fühl mich nur noch elend. Er hat mir einmal eine Mail ins Büro geschrieben, dass er mit Kollegen beim Radln war. Es tut so weh, wenn ich das schöne Wetter sehe und weiß, dass er jetzt mit anderen das macht, was wir immer miteinander gemacht haben.

Meine Freunde sind so lieb, versuchen mich aufzufangen, sagen, er sei es nie wert gewesen, aber ich liebe ihn doch. Ich kann ihn nicht vergessen. Ich kann mir nicht vorstellen, mein Leben ohne ihn zu leben. Seit dieser Woche muss ich nicht mehr so viel Weinen, stattdessen fühle ich mich im Inneren wie taub. Ich bin nur noch traurig und leer. Es ist, als wäre mein Lebensmotor abgestorben. Alles, was ich tue, fällt mir so unendlich schwer. Ich seh aus wie ein Zombie. Tiefe Augenringe, zittrige Hände, flattrige Nerven. Im Büro habe ich erzählt, ich hätte Magenprobleme, nur ein paar gute Kollegen wissen, was mit mir los ist und unterstützen mich in meinen Bemühungen, auf andere Gedanken zu kommen. Aber spätestens am Abend holt mich alles wieder ein. Lang schaff ich das nicht mehr, mir geht die Kraft aus, und der, der sie mir immer wieder gegeben hat, ist nicht mehr da. Ich bin echt ganz schön am Ende, ich will ihn eigentlich nur noch wiederhaben. Gestern habe ich eine geplante Aussprache per SMS abgesagt. Ich war so durch den Wind, ich hätte es nicht geschafft, ihn zu sehen und wieder gehen zu lassen.

Ich habe ihm in einem dreiseitigen Brief geschrieben, wie besch***** ich mich fühle und dass ich nicht verstehen kann, dass er nicht mit mir darüber geredet hat, als er merkte, dass sich seine Gefühle verändern. Und dass ich die Begründung, dass ich nicht mehr in sein „schönes neues Leben“ passe, weil ich mir nicht jeden Luxus leisten kann, einfach nur zum Kotzen finde… Ich weiß nicht, ob ich ihn abschicken soll oder nur Teile davon… Das Ultimatum zu stellen, war ein Fehler, vielleicht wollte ich zu viel zu schnell… ich vermisse ihn so sehr, dass es körperlich weh tut... ich weiß überhaupt nix mehr...was soll ich bloß machen???????