Hallo zusammen,

habe mich ein wenig durch die Beiträge gewühlt und möchte meinen Senf auch mal dazu geben.
Vielleicht bin ich im Schnitt etwas älter als die meisten hier (ja, schon 39 und kein bisschen gegen Liebeskummer gefeit) und kann ein wenig von meinen Erfahrungen mit Liebeskummer abgeben.

Den ersten hatte ich mit 15 und der war grauenvoll. Ich hatte mir damals geschworen, mich niiiie meeeehr wiiieder zu verlieben. Wenn ich gewusst hätte, wie oft ich noch Liebeskummer haben würde, hätte ich es wirklich nie getan.

Und es sollte oft noch schlimmer kommen, als damals. Ich hänge momentan auch ganz fies in einem Liebeskummer drin, weil ich sehr geliebt habe und dadurch um so verletzlicher geworden bin. Und das hat jeder von uns, der hier schriebt. Wir sind Menschen mit Gefühlen und dafür braucht sich keiner zu schämen - im Gegenteil.

Aber glaubt mir, auch wenn der Himmel momentan grau aussieht, es geht wirklich vorbei.
Es ist die Zeit, die arbeitet.

Die Zeit der Heulkrämpfe wird langsam weniger (6 Wochen ist es jetzt her), es rollen nur noch ab und an ein paar Tränen. Es kommt Wut auf. Ich bin wütend, weil er mich weggeschmissen hat wie einen alten Besen und es ihm Prinzip egal ist, wie es mir jetzt geht. Das tut so gemein weh.
Aber auch diese Momente werden immer weniger und immer weniger intensiv.
Ich merke jeden Tag, wei es einen Millimeter aufwärts geht.

Ich hab ganz schön viel verrückten Kram gemacht um besser zurecht zu kommen:

Seine Sachen stehen in einer Umzugskiste im Keller, alles andere habe ich ausser Sichtweite verstaut.

Ich habe alle meine Regale in der Wohnung anders eingeräumt, so sah alles nicht mehr so vertraut aus.

Klamotten die wir beim gemeinsamen shoppen mal gekauft haben, ziehe ich erst nächsten Sommer wieder an.

Ich streiche meine Wände im Flur um, ich will das gleiche gelb wie in seiner Wohnung nicht mehr haben.

Ich meide alle Orte, welche mich an ihn erinnern.

Ich höre Musik aus der Zeit vor ihm, sie verbindet mich mit anderen Situationen.

Ich habe seine E-Mailadresse geblockt, die Telefonnummer gelöscht (okay, wenn ich wollte könnte ich das rückgängig machen) und B]versuche[/B] keinen Kontakt zu haben. Das ist irre schwer.

Ich habe mir überlegt, was mir wirklich Spaß macht, das ist die Musik, also habe ich eine Anzeige geschaltet und Musiker zum Musikmachen gesucht. Nächste Woche habe ich das erste Treffen. Ich freue mich drauf.

Wenn fiese Gedanken gekommen sind, habe ich oft (lacht jetzt bitte nicht) stundenlang unsinnige Wörter vor mich hingemurmelt. Der Effekt ist, dass das Gehirn nicht zwei rationale Gednaken auf einmal verarbeiten kann und so gerät das Intensive-Blöd-Denken etwas in den Hintergrund.

Ich fange an an mir zu arbeiten. Mich wieder selbst zu lieben (gaaaaanz schönn schwer nach so einer Pleite). Aber ich komme jeden Tag ein Stück voran.
Wie schon ein paar Leute hier geschrieben haben, sogenannte Affirmationen (Ich bin stark, ich vergesse, ich bin wertvoll etc.) können zeitweise ganz hilfreich sein.

Ich habe auf einmal ganz andere Menschen kennengelernt, die mir zugehört haben. Menschen von denen ich es am wenigsten erwartet habe. Das ist sehr schön. Von neuen Beziehungen oder Affären nehme ich erst mal Abstand. Gefühlsmäßig bin ich noch nicht wieder offen und ein One-Night-Stand würde zwar das Selbstbewusstsein für einen kurzen Moment aufpolieren, aber was ist danach? Ich falle wieder in ein Loch, weil ich ja eigentlich Liebe will. (ich habe kurz nach der Trennung habe einen gehabt, deshalb spreche ich aus Erfahrung).

Ich heule wenn mir danach zu Mute ist, danach geht es mir meist besser. Ich versuche auch nicht dauernd mit anderen über die Sache zu reden. Das reißt jedes Mal wieder so viel auf. Es muss auch mal gut sein.

Und ich habe Urlaub gebucht und lasse mal alles - wenn auch nur für eine kurze Zeit - hinter mir. :]

Wiegesagt, es geht vorbei.
Auch ich bin zweitweise sehr schwach (heute ist wieder so ein Tag), sehne mich nach ihm wie wahnsinnig, habe bis zum Schluß gekämpft wie ein Löwe, wollte "seine" Probleme anpacken, weil ich ihn so geliebt habe, aber er wollte meine Hilfe nicht und hat mich stattdessen getreten und weggestossen.
Jetzt will ich wieder meine Selbstachtung wahren.
Es ist vorbei und es tut weh das zu begreifen.

Wünsche allen ganz viel Kraft.

LG Mondkeks