1. #1
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    Liebe und Krieg

    Ich weiß gar nicht so genau, wo ich anfangen soll, denn diese (meine) Geschichte erstreckt sich nun schon über einen Zeitraum von sieben Jahren.

    Es fing damit an, daß ich nach der Schule für ein Jahr nach Amerika ging und dort im Allgemeinen riesiges Pech hatte mit der Gastfamilie, den Leuten, die ich dort kennengelernt habe und insbesondere mit Männern.

    Es begann im Oktober 1997, ich war gerade seit 2 Monaten dort und hatte mit dem sogenannten Kulturschock zu kämpfen. Ich hatte Heimweh, vermißte meine Freunde, meine Familie und meinen daheimgebliebenen Freund. Aus lauter Verzweiflung habe ich ein anderes deutsches Au-Pair angerufen (obwohl ich sie anfangs gar nicht mochte) und habe sie gefragt, was sie gerade macht. Sie hatte ein "Date". Prima! Das hilft. Aus noch größerer Verzweiflung habe ich sie gefragt, ob ihr Typ nicht noch einen Freund mitbringen könne – immer noch besser als alleine den Abend zu verbringen und in ein noch tieferes Loch zu fallen. Damit begann das Übel: Er kam, sah und siegte. Ich habe ihn gesehen und von Anfang an sehr sympathisch und anziehend gefunden, was wohl auf Gegenseitigkeit beruhte. Wir haben uns dann drei Monate lang relativ regelmäßig gesehen, sind ins Kino, er hat mir die Stadt gezeigt, mich auf Partys mitgenommen usw. Es ist aber nichts weiter gelaufen, da ich ja zu Hause noch einen Freund hatte. Nach einiger Zeit der geographischen und auch zunehmenden emotionalen Entfernung, haben wir (also mein damaliger Freund und ich) uns darauf verständigt, daß es wohl besser wäre, sich zu trennen.

    Es hat sich – wie sollte es anders sein – dann so entwickelt, daß sich besagter Amerikaner und ich auch körperlich näher gekommen sind. Ich wurde mir immer sicherer, daß ich in ihm die amerikanische Ausnahme gefunden hätte, auf die man sich verlassen und der man vertrauen kann. Doch jedes Mal, wenn wir uns gefühlsmäßig extrem nahe gekommen sind, hat er es vorgezogen, wieder auf Abstand zu gehen. Ich habe das Ganze dann innerlich unter Erfahrungen abgehakt, war zwar verletzt und gekränkt, habe mich aber im Laufe der Zeit damit abgefunden. Das lief ca. 9 Monate lang so. Kurz bevor es für mich zurück ging nach Deutschland hat er mir bei Pasta und Rotwein dann erklärt, daß das von ihm ein reiner Schutzmechanismus war, da er ja wußte, daß ich zurück nach Deutschland gehen würde. Hört sich nach Ausrede an, wenn man ihn kennt, kann man das aber glauben.

    Nach meiner Rückkehr vor sechs Jahren habe ich erstmal alle Kontakte mit Amerika abgebrochen, war froh wieder hier zu sein, ein geregeltes Leben zu führen. Nach ca. 2 Monate hat es mich dann aber doch überkommen und ich habe ihn angerufen, hatte jedoch nur das Vergnügen auf seinem Anrufbeantworter um Rückruf zu bitten. Der kam nicht. Ungefähr ein halbes Jahr später, ich war inzwischen wieder in einer Beziehung kam der Anruf: Er hatte im Internet meine Nummer herausgesucht, mußte sich jedoch (meinen Nachnamen gibt es häufiger) erst einmal bis zu mir durchtelefonieren und überhaupt wäre er inzwischen zwei Mal umgezogen, war zum Zeitpunkt meines Anrufes schon gar nicht mehr unter der Nummer erreichbar usw. So plauderten wir, als ob wir uns gestern erst gesehen hätten und schließlich gab er mir seine e-mail-Adresse. Leider hatte ich damals noch keine Möglichkeit, e-mails zu schreiben und auch keine Ahnung davon, wie ich das hätte bewerkstelligen sollen. Wir konnten uns also wiederum ein Jahr nicht erreichen. Als ich dann Internetzugang hatte, habe ich ihm sofort eine e-mail geschrieben, obwohl ich schon davon ausgegangen bin, daß die Adresse sicher nicht mehr aktuell sei. Nach einigen Wochen bekam ich jedoch unverhofft Antwort. Seitdem (das war vor ca. 4,5 Jahren) haben wir uns dann mehr oder weniger regelmäßig geschrieben und Fotos ausgetauscht, hatten jedoch beide andere Beziehungen und haben uns seit meinem Abschied aus Amerika auch nicht mehr gesehen. Er ist dann 2001 zur Army, ist Helikopterpilot geworden und schrieb seitdem nacheinander aus Japan, von den Philippinen schließlich aus dem Irak. Zu dem Zeitpunkt stand jedoch bereits fest: Nach seinem Irak-Aufenthalt würde er vorübergehend in Deutschland stationiert werden.

    So haben wir uns also im Frühjahr dieses Jahres wiedergesehen, sind uns (inzwischen beide unabhängig voneinander wieder Single) in die Arme gefallen und es hat sofort wieder gefunkt. Wir haben uns seitdem mehr oder weniger regelmäßig an den Wochenenden sehen können und haben die schönste Zeit miteinander verbracht. Vor kurzem hat er jedoch erfahren, daß er aufgrund der dortigen Situation im Herbst wieder in den Irak müsse, wiederum für ein halbes Jahr. Das war zu viel für mich: ich habe es versucht, doch ich war nicht einmal in der Lage, mir die Nachrichten ansehen zu können, ohne mir vorzustellen, er wäre jetzt da. Ich war großartig darin, mir auszumalen, was ihm alles passieren könne. So bin dieses Mal ich in mein Schneckenhaus gekrochen und habe versucht, etwas Abstand zu gewinnen, was ihm natürlich auch sofort aufgefallen ist. Auf seine Frage hin, woher denn die Distanz so plötzlich käme, habe ich ihm erklärt, daß es mir unter diesen Voraussetzungen sehr schwer fallen würde, mich tatsächlich auf eine Beziehung einzulassen. Und ich bin eben schon eher der „Ganz-oder-gar-nicht-Typ“. Er hat mich dann quasi gehen lassen – meinte, er könne mir im Moment nicht das geben, was ich in einer Beziehung suche, könne nicht immer für mich da sein, wenn ich ihn brauche. Und daß es vielleicht besser wäre, ich suche mir jemanden in der Nähe, der mir das geben könne und er würde ja nur wollen, daß ich glücklich bin.

    Darüber habe ich genau eine Nacht geschlafen (mehr oder weniger) um ihm am nächsten Morgen die Ansage zu machen, das das alles Unsinn wäre und daß wir etwas, daß sieben Jahre gebraucht hat, nicht so einfach wegwerfen dürften. Nun hat er heute erfahren, daß er definitiv im Winter für mindestens (!) ein Jahr in den Irak muß und jetzt erstmal Bedenkzeit bräuchte, um sich klar zu werden, wie es denn nun mit uns weitergeht.

    So. Und nun geht es mir schlecht! Ich kann nicht ohne ihn, ich kann aber auch nicht unter diesen Umständen. Ich glaube nicht an Schicksal oder an „füreinander bestimmt sein“, aber unsere ganze siebenjährige Geschichte ist geprägt durch Zufälle und durch eine permanente Anziehungskraft.

    Jetzt versuche ich also damit klar zu kommen, weiß nicht wie es weiter geht und eigentlich noch nicht einmal, was ich will.

    So viel zum Thema Tragik.


  2. #2

    Josh -t Josh -t ist offline

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    08.07.2004
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    9

    uff...

    das ist hart...doch wenn ihr beide tatsächlich 7 Jahre gebraucht habt, euch Entfernungen und andere wiedrigkeiten nicht abschreckten und immer einen Weg zueinander gefunden habt - ja dann werdet ihr auch diesesmal einen Weg finden...ganz sicher!

    Klar geht die berufliche Situation unter die Haut, die Angst ist tagtäglich da...doch da bist du nicht alleine mit...vielen anderen, die ihre Partner in der selben Sache steckenhabven, befinden sich wie du in diesem auf und ab der Gefühle...ich drücke euch beiden feste die Daumen - alles Liebe
    Martin

  3. #3
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    Ja ja, wenn alles gut geht, verkaufe ich die Fimrechte...

    Das Allerschlimmste ist ja nicht mal, sich ein Jahr nicht zu sehen, finde ich. Es wär weniger schlimm, wenn er z.B. ein Jahr nach Australien oder so gehen würde. Aber diese ständige Sorge...

    Mir wird ja jetzt schon übel, wenn ich so einen dämlichen Black Hawk Helikopter seh. Und die momentanen Nachrichten aus dem Irak sind ja auch nicht unbedingt ermunternd. Als er das letzte Mal da war, war es ja noch "vergleichsweise" ruhig, obwohl er sich da auch schon täglich in Lebensgefahr begeben hat.

    Besonders gemein ist auch, daß er ja eigentlich bis August 2005 in Deutschland bleiben sollte. In der Zeit hätte man schon was aufbauen können. Darauf hatte ich mich eingestellt. aber die Zeit wird uns nun einfach weggenommen.

    Nun gut, abwarten und Tee trinken.

    Sonja

  4. #4
    Gast
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    Ich kenn mich leider gar nicht aus, wie es bei den Amis um die Rechte und Pflichten bezüglich Armee steht... MUSS er in den Irak oder gibt es eine Chance für ihn, sich da raus zu winden? Würde er das deinetwegen machen?

    Und mal ehrlich... die Sorgen um ihn hättest du doch, ob du mit ihm zusammen bist oder nicht.....

  5. #5
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    Er MUSS in den Irak. Die sind da bei der Army (bzw. Air Force) noch ein bißchen härter als bei uns. Normalerweise mußt Du aber innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nur einmal in so ein krasses Krisengebiet. Die haben aber keine Piloten mehr, bzw. alle, die sie haben, sind gerade im Irak, kommen von da oder sind auf dem Weg dorthin. Und da die Ausbildung ca. 1-2 Jahre dauert, kommen sich auch mit dem Ausbilden nicht hinterher. Schätze, die haben nicht damit gerechnet, daß das da unten so eskaliert und dadurch auf so lange Zeit so viele Leute gebraucht werden.

    Ich habe inzwischen durch ein anderes Forum von Frauen gehört, die schwanger und mit ganz kleinen Kindern zu Hause in Deutschland sitzen und deren amerikanische Männer teilweise schon das zweite Mal unten sind. Die Kinder haben ihre Väter noch nie oder nur einen Bruchteil ihres Lebens gesehen. Kennen wir ja irgendwie nur von Geschichten von unseren Großeltern aus dem 2. Weltkrieg.

    Und ja, natürlich mache ich mir auch Sorgen, wenn wir nicht zusammen sind.

    Sonja

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