- GastGast
Auszug aus gemeinsamer Wohnung
Hallo,
habe diesen Link vor zwei Stunden von meiner Schwester geschickt bekommen, nachdem sie mich am Telefon vor lauter Weinerei nicht mehr verstehen konnte. Es geht darum:
Ich war 7.5 Jahre (9) mit meinem Ex-Freund zusammenl. Wir gingen damals in die selbe Schul-Stufe (12.). Es war DIE erste große Liebe, mit der ich mir vorher so lange Zeit gelassen hatte. Nach einem Monat Beziehung pendelten wir schon zwischen den verständnisvollen Eltern zum Schlafen hin und her, als es ans Studieren ging, zogen wir nach 1,3 Jahren zusammen und waren happy. Ohne den anderen zu sein war unvorstellbar, wir hatten so schnell eine Ebene tiefster Übereinstimmung und Verschmelzung erreicht, wie es wohl kaum andere Paare so intensiv erleben können.
Dann hatte mein Vater einen Herzinfarkt und 5 Bypässe und ich brach zusammen, den Stress vom Studium mit Tests jede Woche und konstantem Lerndruck nicht mehr aushaltend, nachdem ich eine mündliche Prüfung vergeigt hatte. Aus Liebe habe ich es jedoch lange Zeit verbergen können und abgewunken, wenn er fragte, wie es mir ginge. Dabei war ich schon längst in tiefsten Depressionen, in denen nur er mich über Wasser hielt. Am Ende des 3. Semesters schaffte ich es dann, entgültig das Studium zu vermasseln, da ich aus Prüfungsangst und Unvermögen eine Dritt-Prüfung nicht bestandt. Nach einem Semester Übergang fing ich dann mit einem anderen Studium an, bei dem ich schon im ersten Semester 3 von 4 Prüfungen nicht bestand, mir war alles egal. Nur die Beziehung zählte. Kurz darauf entdeckte ich Bücher als Ablenkung und fing an, mich einzuigeln. Keine Vorlesungen, kein Weggehen, nur lesen und Beziehung. Mein Ex lies das über sich ergehen, einmal hatte er selbst soviel Stress mit dem Studium, andererseits spielte ich nach außen immer sehr überzeugend die Starke und sobald er versuchte, zu helfen, blockte ich brutalst ab. Weil er mich verzweifelt liebte und Angst vor Streitigkeiten hatte, steckte er zurück.
Bis ich ihn nur noch allein weggehen liess (Selbstbestrafung, Hoffnung, er würde eine Neue finden??) und ich dann auch das zweite Studium entgültig vor dem Vordiplom vergeigte....da wurde es ihm zuviel, weil ich selbst da nur noch zu Hause saß und abblockte.
Er setzte sich mit mir hin und sagte, daß er mich nicht mehr lieben würde. Und während ich starr und steif weiter geradeaus guckte, war er derjenige, der sich die Seele aus dem Leib heulte. Für mich war es eher eine Bestätigung meiner Nichtigkeit.
Weil wir gerade umgezogen waren und beide nicht bereit, den nächsten Schritt zu machen, obwohl er schon wieder unglücklich verliebt war, wie ich mitbekam, haben wir bis jetzt noch anderthalb Jahre nach "Schluß" der Beziehung zusammengewohnt. Und zwar nach Anlaufschwierigkeiten glücklich, wobei ich immer sagte, daß ich ausziehe, wenn er jemanden anders findet.
Seit Juni ist das der Fall. Er hat eine neue feste Freundin, die auch immer öfter hier übernachtet (hat selbst Ex-Freund zuhause sitzen). Ich war eigentlich davon nicht weiter geschockt, aber seit ich den Mietvertrag für meine neue Wohnung unterschrieben habe, komme ich nicht mehr von der Magensäure runter. Seit einem Monat laufe ich herum und sehe weder rechts noch links. Es stört mich immer noch nicht, wenn sich die beiden knutschen, aber ich habe einfach Angst vor der Zukunft.
Ich habe inzwischen seit drei Semestern ein eigentlich sehr gut laufendes Studium. Aber vor drei Wochen hatte ich während einer wichtigen Klausur ein Blackout. Und bei der Wiederholungs-Klausur diese Woche war ich einfach zu fertig, richtig zu lernen, und habe diese wahrscheinlich auch versaut. Ich bekomme sie erst in 3 Wochen wieder.
Gestern und heute waren ich und mein Ex in meiner neuen Wohnung, die gestrichen werden muß. Und ich bin nur noch am Heulen. All das, was ich bei der Trennung nicht fühlte, kommt jetzt hoch. Die neue Wohnung gefällt mir überhaupt nicht, sie ist ehrlich zu nahe an einer lauten Durchgangsstraße und ich bin einfach total fertig mit den Nerven.
Mein Ex und ich haben uns heute ausgesprochen und er sagte mir, daß er, wenn er geahnt hätte, daß ich ihn noch liebe, nach unserem Schlußstrich auf jeden Fall versucht hätte, mich umzustimmen. Aber ich war so sicher und so bestimmt, jedesmal wenn ich ihm sagte, das es alles gut so ist und das es gut ist, daß alles vorbei ist. Und ich gucke ihn nur noch an und denke, daß ich ihn liebe, egal was mal war. Und er sagt, daß er mich auch noch liebt.
Er hat aber eine neue Freundin. Und die liebt er auch. Und zwar ist er so ein Mensch, der eine Beziehung nur anfängt, wenn er es wirklich ernst meint. Er sitzt also zwischen allen Stühlen. Und ich weiß nicht, was ich überhaupt will.
Was soll ich tun? Die neue Wohnung ist mir jetzt schon ein Greuel, Montag zieh ich um.
Meine Schwester sagt, es ist wichtig, daß ich ausziehe und Abstand gewinne, für uns beide. Und das wir, wenn wir merken, es geht nicht ohne den anderen, es halt wieder miteinander versuchen sollen.
So blöd es klingt, aber das gleiche haben er und ich vorhin auch beschlossen. Trotz seiner Freundin. Wenn wir in ein paar Wochen/Monaten feststellen, daß wir ohne einander nicht sein können, dann wollen wir das offen dem anderen sagen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Die sind eh schon schwer genug.
Seine neue Freundin ist natürlich schwer eifersüchtig auf mich. Ich kann das auch sehr gut verstehen, für mich ist es auch schwierig. Aber was soll ich tun? Ich bin seltsamerweise nicht richtig eifersüchtig, wenn die beiden hier übernachten. Aber seit ich meinen festen Auszugstermin hab, geht bei mir wie gesagt gar nichts mehr. Ich bin gerade total auf Entzug und brauche eigentlich dringend jemanden zum Kuscheln. Ich bin mir auch fast sicher, daß er im Endeffekt mit der neuen Freundin zusammenbleiben wird. Aber ich habe so eine Angst vor allem, nicht nur vor dem Alleinsein, sondern auch vor dem Ergebnis der Klausur (ist zwar keine entgültige, aber "nur noch" 2 Chancen, das ruft böse Erinnerungen wach).
Ich hab sowas schlimmes noch nie erlebt, selbst, als ich meine Prüfungen entgültig versaut hatte. Da war immer wenigstens mein Freund für mich da und es ging dadurch weiter. Nun fehlt mir meine Basis und mir wird schlecht, wenn ich nur Essen sehe.
Was kann ich tun? Ich bin absolut verzweifelt, dabei bin ich sonst ein total positiv denkender und optimistischer Mensch.
Es tut einfach so dolle weh. Er ist alles, worauf ich mein Leben gebaut hatte, und jetzt, wo das entgültig wegfällt, habe ich auch gleich wieder Probleme mit dem Studium, die doch nun eigentlich vorbei sein sollten. Mein ganzer Bauch schmerzt und ich kann einfach nicht mehr denken.
Selbst Gedanken an das Morgen helfen nicht. Es tut wirklich so tief im Inneren weh. Und ich dachte, ich bin darüber hinweg, weil wir uns so langsam auseinander gelebt hatten. Pustekuchen. Ich leide, als ob man mir das Herz langsam rausschneiden würde. Und es gibt kein Zurück, weil die neue Freundin da ist. Und ich weiß noch nicht mal, ob ich im rationalen Zustand dafür wäre. Ich weiß nur, daß ich mir keinen anderen vorstellen kann.
Dieser Beitrag ist absolut deprimierend, tut mir leid, und viel schlimmer ist es, daß ich selbst am Ende dieses Beitrags nicht positiv schließen kann, weil ich nicht weiß, wie. Sonst ging das immer. Ich weiß jetzt, was es heißt, absolut am Boden zerstört zu sein.
Die neue Wohnung find ich auch schrecklich, aber ich hab gottseidank genug Geld gespart, daß ich bald nochmal umziehen könnte. Vielleicht ist sie ja gar nicht so schlecht, wenn ich drinbin. Aber mein Lehrgeld hab ich bezahlt. Danke fürs Lesen.
- Erfahrener Benutzer
Gansbock
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Hallo Gast,
zunächst mal bist Du hier im Forum goldrichtig gelandet. Deine Geschichte ist sehr traurig aber keinesfalls aussichtslos. Das mit der neuen Wohnung solltest Du Dir noch mal überlegen, denn wen Du Dich dort nicht wohl fühlst hat es langfristig auch keinen Sinn dort zu bleiben. Das Einrichten und Gestalten einer neuen Wohnung hat mir z.B. immer sehr gut geholfen, vergangenes zu verarbeiten und sich auch etwas abzulenken.
Es kommt jetzt etwas Neues auf Dich zu. Wir haben Angst davor, merken aber meistens hinterher, dass diese Angst unberechtigt war. Meistens meint man, dass es ohne den oder die Ex nicht weitergeht und dass etwas Schreckliches passieren muss. Das hab ich nach der Trennung von meiner Ex auch gedacht. Aber es passiert nichts Schreckliches. Wir schaffen das auch alleine und das hat auch noch einen positiven Nebeneffekt, denn unser Selbstwertgefühl steigt dadurch immens.
Du musst jetzt Dein eigenes Leben wieder finden, denn dein altes Leben hast Du um Ihn herum gebaut und es hat Dich im Endeffekt auch nicht weiter gebracht.
Du wirst Dir jetzt bestimmt denken, der hat leicht reden, aber so ist es nicht. Ich habe das auch so ähnlich durchgemacht und hinterher denkt man sich, hey warum hab ich mir immer nur so viele Sorgen gemacht.
Schreib Dir hier im Forum einfach die Seele vom Leib und Du wirst sehen, alleine das Schreiben hilft schon sehr und es gibt hier sehr viele Menschen denen es genauso wie Dir geht. Glaub mir Du bist nicht alleine.
Lg Eric
- GastGast
so schwer
Es ist nur so furchtbar schwer, ich hätte nie gedacht, das ich es so schwer haben würde. Ich weiß überhaupt nicht, was ich will und wer ich bin und kann überhaupt nicht denken. Ich werde auch nicht lange in der Wohnung bleiben, das weiß ich jetzt schon, ich habe schon so eine Abneigung dagegen, daß ich nachher dahinfahren soll, um weiter zu streichen. Ich will nur noch in eine Ecke und mich einkugeln und das alles sofort anders wird.
Das schlimme ist, das ich keine direkte Ablenkung habe, weil gerade Semesterferien angefangen haben und ich "nur" Hausarbeiten schreiben muß. Wie soll ich mich dazu aufraffen?
Ich habe zwischendurch zwar immer wieder positive Lichtblicke, in denen ich denke, es geht weiter, aber eigentlich tut es einfach nur weh.
- GastGast
Nach vorne blicken
Das Schlimme ist nur, das ich die Antworten rational selbst weiß und immernoch verstehe. Ich fühle mich einfach so hilflos diesen Schwankungen ausgesetzt, da ich sonst immer eine sehr starke Person bin, ist das für mich umso schwerer. Und das Schlimmste ist, daß die Person, von der ich sonst immer alles bekommen habe, wenn ich so drauf war, die ist, zu der ich rational gesehen nicht gehen soll und auch nicht kann. Aber es ist so schwer, besonders weil wir noch drei Tage zusammen wohnen und uns gegenseitig nur angucken und losheulen könnten. Ich bin total von der Rolle und schaffe nix mehr. Kein Hunger, kein Appetit, keine Lust auf das Renovieren in der neuen Wohnung. Meine Schwester will mir Medikamente schicken, die sie damals bei ihrem Liebeskummer verschrieben bekommen hat. Aber Medikamente helfen auch nicht, ich will keine Pille nehmen, damit es mir besser geht. Ich will nur endlich darüber hinweg sein und das es mir gut geht.
Ich habe auch noch solche Zukunftsängste wegen der verhauenen Klausur. Ich weiß, ich habe noch zweimal die Möglichkeit und eigentlich ist das Thema für mich einfach und zu schaffen, die Klausuren davor waren immer im guten Bereich. Aber als gebranntes Kind mit Prüfungsängsten heizt mir das zusätzlich soviel Angst ein, daß ich fast nicht mehr kann. Wenn ich nicht an meinen Ex denke, denke ich an die Klausur. Und darauf muß ich noch so lange warten, bis ich das geschafft hab.
Jede Meldung ist mir lieb, auch wenn ich natürlich grad denke, es geht gar nix mehr. Danke für den Zuspruch.
- Erfahrener Benutzer
Gansbock
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Ich weiß, das dass jetzt alles sehr schwer für Dich wird, aber zumindest hast Du hier die Möglichkeit über Deine Gefühle zu schreiben. Ich weiß, dass Ratio immer bestens über uns Bescheid weiß, aber was hilft es, wenn das Herz nicht mitzieht.
Das mit den Medikamenten ist so ne Sache, rede vielleicht besser vorher mit Deinem Hausarzt.
Der Nachteil an den Dingern ist, dass Du beim Absetzen wieder weit zurückfällst.
Aber Du sagtest ja selber, dass Du keine Pillen nehmen willst und das ist auch gut so.
Dir hat es im Moment den Boden unter den Füßen weggezogen und Du musst versuchen da wieder raus zukommen. Versuche Dich einfach etwas abzulenken, vielleicht etwas Sport. Hast Du Freunde in Deiner Nähe? Einfach ein bisschen unter Leute kommen und wenn es nur für ein paar wenige Stunden ist. Manchmal muss man sich dazu zwingen, auch wenn man keine Lust hat. Es wird jetzt ein steiniger Weg für Dich werden, aber Du wirst es schaffen und Du wirst auch wieder lachen können. Nicht Morgen, nicht nächste Woche aber irgendwann wirst Du es überstanden haben und daran wachsen.
Nächste Woche wird es bei mir 1 Jahr her sein, dass ich von meiner Freundin getrennt bin. Es war die Hölle. Ich hätte damals nie geglaubt, dass ich das hier ein Jahr später schreiben werde, aber wie Du siehst tue ich es.
- Erfahrener Benutzer
justizia
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Hi Gast,
Ich kann die leider keinen Ratschlag geben, weil ich mich in der fast selben Situation befinde, und auch nicht so recht weiß was das beste für meine Zukunft wäre.
Allerdings habe ich den Auszug schon hinter mir. Jezt hatten wir ne weile Funkstille, und treffen uns bald wieder. In der Zeit der Funkstille hat er es geschafft ein gelassenes Verhältnis zu mir aufzubauen ohne sich gedanken über die Zukunft oder Rechtfertigungen vor mir zu machen. Und ich habe es soweit geschafft nichtmehr Zusammenzubrechen wenn mir ein Gegenstand von ihm in die Hände fällt und Erwartungen an diese Liebe abzulegen. Die Verzweiflung hat sich in tiefe Traurigkeit verwandelt, die auch sehr schlimm ist aber erträglicher. Sie macht zumindest nicht Lebensmüde, denn man kann wieder von Herzen lachen, sogar mit ihm.
Diese Zeit der Panik geht ziemlich schnell vorbei, vorallem bei Menschen die ein großes Budget an Lebensfreude und Selbstbewusstsein besitzen.
Was wird kann ich nicht sagen, ich weiß nur das es nie wieder so werden wird wie früher, auch nie so wie wir es uns vorgestellt haben.
und es kann auch sein, dass er übermorgen mit einer neuen seine Zeit verbringt, wie bei dir momentan. aber da die Liebe ein seltsames Spiel ist ist nichts sicher zu sagen.
Aus meiner Erfahrung kann ich dir sagen, dass als ich jemanden verließ mir die Affaire danach nicht wirklich etwas bedeutet hat, ich aber das Gefühl hatte sie würde mich von der alten Partnerschaft schneller wegbringen - und das wollte ich damals unbedingt - WEG! Ich habe ihn noch sehr lieb gehabt hatte auch das bedürfniss ihn zu sehen (heute noch), habe ihm aber im nachhinein vielleicht doch zu viele falsche Hoffnungen durch meine Vertrautheit und Erreichbarkeit gemacht, jezt bin ich in der Situation wie er damals - unsäglicher schmerz... but what goes around, comes around
lg
Coralla


