Ich weiss nicht ob ich mich mit diesem Posting nicht zum Narren mache... aber andererseits bin ich an einem Punkt angelangt, an dem mir das ziemlich egal ist.
>>Im Internet weiss niemand, das du ein Hund bist<< . Die Anonymität wird das bisschen Würde, was ich noch
besitze, schützen.
Also denn...
Zuerst einmal zu mir und dann zu dem was passiert ist:
Ich bin schon ein wenig älter, jedenfalls kein Teenager mehr und FETT. Ich war schon immer FETT... auch als Kind. Hinzukam das meine sparsammen Eltern mir nie Taschengeld gaben. Auf diese Kombination führe ich es zurück das ich zu einem kontaktgestörten jungen Mann aufwuchs. Während meiner Teenagerzeit verbrachte ich meine Zeit in Büchereien, während
meine Mitschüler Parties, Diskos und die erste Liebe entdeckten. Es ist nicht so, das ich GAR KEINE Freunde hatte. Nur halt sehr wenige. Naja... zurück zum Thema.
Die Schule verging und ich wuchs wie gesagt zu einem kontaktgestörten Mann heran, der dazu noch sehr hart und sehr zynisch im Laufe der Jahre geworden war.
Nach einer Ausbildung und einem - natürlich - erfolglosen Intersse an einer Kollegin, das mir immerhin bewiess das
ich nicht schwul bin, folgten 3 Jahre Arbeitslosigkeit.
In dieser Zeit verschwand der Rest von Selbstwertgefühl, den ich damals noch hatte vollständig und seit damals ist Selbstmord auch für mich eine vorstellbare Alternative.
Doch schliesslich fand ich einen Job! Dazu noch einen der mir Spass macht und den ich gut mache. Ein Job an der technischen Hotline eines Providers.
Ich schildere das hier alles so ausführlich, weil nur so verständlich wird, warum die Person die damals in mein Leben trat so wichtig für mich wurde.
Denn im Februar vor 5 Jahren rief SIE an meiner Hotline an. Um ihr zu helfen schickte ich ihr eine Mail mit der Lösung ihres Problems und rief am nächsten Morgen so gar noch mal an, um zu hören, ob alles geklappt hatte. Ich weiss bis heute nicht, warum ich das tat, denn
das Gespräch dauerte nur 2 Minuten und war eigentlich nicht besonderes.
Die Sache hätte eigentlich damit zu Ende sein können, doch sie antwortete auf meine Mail und stellte private Fragen.
Ich reagierte SEHR vorsichtig und SEHR zugeknöpft, doch sie liess sich davon nicht abschrecken. Sie machte weiter. Und erstaunlich schnell entwickelte sich eine unglaublich intensive Freundschaft. Wir trafen eine Vereinbarung auf die noch immer unsere Freundschaft beruht: Egal was der eine tut, er wird vom anderen vorbehaltlos unterstützt.
Sie wurde für mich zum ersten und einzigen Mensch, mit dem ich über alles reden kann.
Ohne Scham. Ohne Angst sich lächerlich zu machen. Vollkommenes Vertrauen.
Und sie zeigte mir meine Gefühle.
Sie machte aus einem Stein einen Menschen!
Sie half mir, wieder so etwas wie Selbstwertgefühl zu entwickeln.
Dafür werde ich ihr ewig Dankbar sein und ich habe mir geschworen ihr immer ein guter Freund zu sein! Egal was es mich kostet! Egal was ich dafür bezahlen muss!
Und diese Woche war mal wieder Zahltag.
Zurück zur Geschichte:
Natürlich verliebte ich mich in sie. Es konnte gar nicht anders kommen. Und sie verliebte sich in mich, bevor wir uns noch das erste mal trafen und sie sehen konnte was ich war.
Als wir uns trafen, war es inzwischen egal, denn Äusserlichkeiten zählten damals schon nicht mehr.
Es war eine Beziehung auf Distanz, denn sie wohnt 500 km entfernt. Wir führten sie über Internet, dem Telefon und denwenigen Treffen, die wir in dem einen Jahr hatten, das unsere Beziehung hielt.
Dann erlosch ihre liebe zu mir langsam. Sie verging einfach. Das wurde uns aber erst nach und nach in vielen Gesprächen klar. Ich liess sie ziehen.
Das ist eines der wenigen Dinge in meinem Leben, auf die ich wirklich Stolz bin.
Ich liess sie ziehen, obwohl meine Liebe zu ihr noch genauso stark und intensiv war, wie am ersten Tag.
Und ich traf eine Entscheidung, von der ich bis heute glaube, das sie richtig war, obwohl mir manchmal doch Zweifel kommen.
Ich entschied mich, den Kontakt nicht abzubrechen. Ich habe nur einen anderen wirklichen Freund, und so entschied ich mich, den Kontakt zu ihr zu halten, den Menschen nicht zu verlieren, der mir auf der ganzen Welt am nächsten steht.
Mir war klar, das ich Höllenqualen durchmachen würde, aber ich setzte darauf, das ich eines Tages über sie
hinwegkommen würde. Sie unterstützte mich nach besten Kräften dabei und war mir auch damals eine perfekte Freundin.
Ich denke, ich hatte auch die Illusion, sie zurückgewinnen zu können. Die Illusion habe ich
inzwischen verloren.
Meine Liebe zu ihr aber nicht.
Die Zeit verging und es gelang mir, mir einzureden ich sei drüber hinweg. Ich wurde für sie als Freund immer wichtiger, dem sie vollkommen vertraut und mehr erzählt als ihren ältesten Freundinnen.
Die erste wirkliche Krise kam natürlich, als sie auf einmal einen neuen Freund hatte. Alle Wunden brachen wieder auf.
Diese Zeit war so schrecklich, das mich nicht gern daran zurück erinnere. Damals hätte ich fast Selbstmord begannen.
Seltsamerweise half mir damals der Alkohol. Auf der anderen Seite war ich ca. 6 Monate kurz davor Alkoholiker zu werden. Was mich rettete war, das ich das Zeug nach einer Weile einfach nicht mehr so gut vertrug.
Als sie auch noch eine Affäre mit jemanden begann, der definitiv nicht gut für sie war,wußte ich einfach nicht mehr weiter. Da sie in den Typen total verknallt war, war sie Argumenten nicht mehr zugänglich. Der einzige Weg sie zu stoppen, wäre gewesen, ihren Freund zu informieren. Aber das brachte ich nicht fertig. Da ich aber auch nicht ihrer Selbstzerstörung zusehen wollte, brach ich den Kontakt zum ersten mal seit Jahren ab.
Nach 6 Wochen fingen wir wieder an vorsichtig unsere Freundschaft wieder aufzubauen. Sie war inzwischen auch ohne mich wieder zur Vernunft gekommen und hatte die Affäre beendet.
Das ist ca. 1 1/2 Jahre her. Wir telefonieren ca. alle 2-3 Wochen miteinander.
Mit ihrer Beziehung habe ich mich abgefunden und solange die stabil lief, ging es mir auch gut.
Aber seit einiger Zeit kriselt es und ich bekomme jedes Detail mit.
Und das schlimmste ist... sie interessiert sich auch wieder für andere Männer.
Sie erzählte mir diese Woche, sie hätte mit einem Mann, mit dem das erste mal aus war, "rumgeknutscht".
Das hat mich völlig fertig gemacht! Die Eifersucht brannte in mir, wie das Höllenfeuer. Gleichzeitig hatte ich ein schlechtes Gewissen deswegen, denn ich muss ihr doch ein möglichst guter Freund sein.
Ich kippte mir einen halben Liter Wodka rein, um den Schmerz zu betäuben. Aber natürlich ging es mir nicht wirklich besser. Ich fühlte mich erst besser, als ich mit ihr darüber gesprochen hatte. Sie verstand mich vollkommen, denn sie weiss wie es um meine Gefühle für
sie steht. Sie versprach mir, mich zukünftig mit Details zu verschonen ... es sei denn, ich würde danach fragen, denn Belügen wird sie mich nie.
Und da wären wir bei der heutigen Situation. Ich bekomme die Bilder einfach nicht aus meinem Kopf und mir ist wieder einmal klar geworden, das ich sie immer noch liebe.
Vieles habe ich hier nicht erwähnt.
Nichts von dem Altersunterschied, der keine Rolle spielt.
Nichts von unseren unterschiedlichen Lebenseinstellungen, Wünschen und Zielen, die
unsere Freundschaft nicht im geringsten gestört haben.
Ich bin inzwischen überzeugt, das sie die Liebe meines Lebens ist, wenn auch eine unerwiederte.
Ich liebe sie so sehr, das ich ihr auch das Glück einer erfüllten Beziehung wünsche. Ich habe ihr so viel zu verdanken, das ich nicht bereit bin, meinen Schwur
aufzugeben, auch wenn es mich vielleicht eines Tage innerlich zerreißt. Ausserdem habe ich einfach nicht genug Freunde um auch nur auf einen von ihnen zu verzichten.
Das hier sieht jetzt vermutlich nach einer gigantischen Portion Selbstmitleid aus, aber wie ich bereits Anfangs erwähnte, ist mir das egal.
Das ganze diente eh hauptsächlich dazu, mir alles mal von der Seele zu schreiben, denn der Schmerz den ich fühle ist durchaus real.
Ich könnte noch eine ganze Menge mehr schreiben.
Über meine Fettleibigkeit und wie sie mein Leben beeinflusst.
Über meine ständigen Selbstzweifel und regelmässigen Depressionen.
Und vor allem über Einsamkeit, wie ich sie sehe und schon mein ganzes Leben lang erlebe.
Ich habe Deine Geschichte gelesen und ich finde nicht, dass sie selbstmitleidig klingt. Im Gegenteil. Ich bewundere Deine Stärke. Daß Du den damals getroffenen "Schwur" treu verfolgst. Du hast ein großes Herz. Und ich finde, dass Du sehr klar siehst und beschreibst.
Deine Exfreundin hat sich gegen eine Beziehung mit Dir aber für eine Freundschaft entschieden. Klar, wenn man die Liebe des anderen zurückwill ist das eine bittere Realität, aber sie ist Dir durch die Freundschaft nicht verloren gegangen.
So richtig weiß ich nicht, was ich Dir raten bzw. sagen soll...
Es gibt da eine Reihe von Problemen mit denen Du kämpfst (so wie jeder von uns). Soll ich Dir raten andere (neue bzw. weitere) Freunde zu suchen? Oder daß Du Dir Dein Selbstbewußtsein in einer Therapie aufbaust? Wahrscheinlich hast Du selbst schon daran gedacht und vielleicht auch schon verschiedene Dinge ausprobiert.
Das einzige was ich Dir sagen kann: verliere nicht den Mut. Blicke nach vorn und mache es Dir schön, Dein Leben. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft.
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