Thema: Der Drang, zu handeln...
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burning_house
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Der Drang, zu handeln...
Ich bin echt am verzweifeln! Ich weiß, ich sollte es nicht tun, aber ich wünsche es mir so sehr, ihr diese Zeilen zu schicken. Vieleicht hilft es mir, abzuschliessen. Jetzt poste ich ihn hier rein, in der Hoffnung, dass es mich davon abhält, ihn ihr zu schicken...
Hi M.,
ich habe lange überlegt, ob ich dir nochmals schreiben soll, mir die Szenarien ausgemalt, unter welchen äußeren Umständen und Gemütszuständen du diesen Brief bekommen wirst, wie du darauf reagierst und ob du ihn überhaupt liest. Aber es ist vieles offen geblieben, dass ich unbedingt sagen will, weil es mir einfach unmöglich ist, diese Dinge unausgesprochen zu lassen.
Warum ich dir schreibe? Um dem Funken Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass dein Weg dich wieder nah an mich heranführt - eine Chance, so gering sie vielleicht auch sein mag, nicht einfach von der Zeit, die gegen mich arbeitet, wegwischen zu lassen. Die Stelle an dir zu berühren, auf die immer mein Augenmerk und all meine Bemühungen gerichtet waren: dein Herz. Um mit dir zu reden, unabhängig davon, ob du da bist. Um einen Schritt zu machen, auch wenn ich nicht absehen kann, in welche Richtung von deinem Standpunkt aus gesehen ich mich damit bewege…
Vor allem aber, um mich dir mitzuteilen und zu erklären, Antworten zu liefern, in der Hoffnung, selbst Antworten zu erhalten…
Ligurien, C.… schon die Anfänge hatten es doch in sich! Das kaputte Auto, das fehlende Zeltgestänge, die späte Abfahrt, von Zürich nach Luzern, Luzern überflutet, der Gotthard-Tunnel gesperrt, von Luzern zurück nach Zürich, Zürich Richtung Chur, unterwegs Umleitung, dann 5 Stunden Stau vor dem San Bernardino…
Rückblickend erscheint es mir, als hätte alles gegen diesen Urlaub getan, um zu verhindern, dass es so mit uns endet. Und noch immer hänge ich an der Frage: Was ist in diesem Urlaub passiert, M.? Du hast im Vorfeld alle Zweifel zerstreut und als wir losgefahren sind, hatte ich wirklich das Gefühl, dass zwei verliebte Menschen auf dem Weg in den Urlaub Ihres Lebens sind. Warum warst du so…so…giftig oder pampig mir gegenüber? Was an meiner Art ließ dich eine so starke Abneigung gegen mich aufbauen?
Was mit mir los war? Ich hatte einen meiner besten Freunde im Krankenhaus mit Verdacht auf MS (was sich übrigens bestätigt hat…) und meine Mom ist derart übel aus Ihrem Job gefeuert worden, dass Ihr psychischer Zustand einen Arztbesuch und die Einnahme von Medikamenten erforderlich machte. Weiß Gott, ich erzähle dir das nicht, weil ich dein Mitleid will. Ich will dir zeigen, warum ich dir nichts entgegenzusetzen hatte, warum ich beschloss, es über mich ergehen zu lassen, damit ich dir nicht den Urlaub verderbe, den du dir so sehr gewünscht hast. Und so musste ich erfahren, wie es ist, einen Menschen zu vermissen, obwohl er mir direkt gegenüber sitzt! Irgendwann war ich durch deine Art so sehr verunsichert, dass ich die einfachsten Sachen nicht mehr auf die Reihe bekommen habe.
All das in Verbindung mit deinem kompletten Sinneswandel war einfach mehr, als ich einstecken konnte. Also bin ich in Deckung gegangen, hab´ nicht versucht, dich zu etwas zu drängen, was du offensichtlich nicht wolltest, hab´ dich in Ruhe gelassen und akzeptiert, dass du meine Nähe nicht suchst und mich mit dem Mindestmaß dessen begnügt, was mein Herz braucht: In deiner Nähe zu sein.
Immer in der Hoffnung, dass du dich mir irgendwann wieder zuwendest und die schönen Erfahrungen und Tage wie in S. oder in Mb. nicht einfach vergessen sind.
Ich liebe dich, M. M. H., aufrichtig und ehrlich. Nach 13 Jahren glaubte ich, dieser besonderen Frau in meinem Leben begegnet zu sein, von der ich immer geglaubt habe, dass es sie gibt. Die Frau, die ich in den Wochen vor dem Urlaub kennenlernen durfte, die mit mir spontan nach Mb. fährt an einem Donnerstag abend, die sich abends im Bett ganz fest an mich kuschelt, mir auf dem Balkon beim Rauchen auf dem Schoß sitzt und meine Küsse erwidert, sich in meinen Armen bei Clubs und Brunch einen Film ansieht, die am 10. August 2005 an diesem kleinen See bei chinesischem Essen den Bann zu brechen schien und mich nicht wegstieß, als ich ihr sagte, wie sehr ich in sie verliebt bin…sie ist eine echte Traumfrau und jede Mühe und Anstrengung wert. Ich kann und will daran glauben, dass sie den größeren Anteil an deiner Person hat. Und auch, wenn mich die Person, die mit mir im Urlaub war aufgrund ihrer Art erschrocken hat, habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als sie kennen- und verstehen zu lernen.
"Ich mag Schwächen, denn genau diese sind es was jemanden nett, liebenswert, menschlich,… machen. Und ich finde es auch schön wenn das jemand zugeben kann, denn es gehört mehr dazu zu seinen Schwächen zu stehen, als sie zu verleugnen!" (M., 26.07.05)
M: Und wenn ich eins hasse dann isses der Spruch „aus den Augen aus dem Sinn!“
A: [Ich mag´ den Spruch auch nicht, aber leider trifft er doch oft ins schwarze...]
M: Aber nicht bei MIR!“!!!! das kannst dir merken!
A: Das brauch´ ich mir nicht merken, früher oder später werd´ ich´s wohl genau wissen…
A:Glaubst du echt, ich hätte keine Angst davor, dass du das Interesse an mir verlieren könntest?
M:Wieso sollte ich? Ich glaube eher, dass das andersrum ist…
Das war nie so! Nicht vor dem Urlaub, nicht während dem Urlaub und auch jetzt nicht. Ich lese diese eMails oft, immer wieder fallen mir Sätze von dir ein, jeder schwarze A3, der in meine Strasse einbiegt, bringt diese Mischung aus Schmerz, dass du es sein könntest und Hoffnung, dass du es bist. Und in Gedanken steige ich ein, sehe dich an, nehme wie so oft deine Hand um sie zärtlich zu streicheln und lasse sie nicht wieder los, bis wir wo auch immer angekommen sind.
Irgendwo in dir verbirgt sich ein Geheimnis, etwas grausames, einschneidendes aus vergangenen Tagen. Mein ganzes Leben habe ich mit Pädagogen zu tun und irgendetwas sagt mir, dass hier etwas im Argen ist. Aber die konkrete Frage, die ich dazu hätte, kann ich nicht in diesem Brief stellen. Sie steht mir nicht mehr zu, du hast mir dieses Recht entzogen, mir den Job des Aufpassers fristlos gekündigt. Ich hätte die Antwort sicher gefürchtet, aber ich wäre niemals zurückgeschrocken. Keine Ahnung, ob mein Kopf mir hier einen Streich spielt…
Du bist die erste Frau, die ich je geküsst habe, die erste Frau, neben der ich abends einschlafen und morgens wieder aufwachen durfte, die erste Frau, mit der ich je im Urlaub war. Ich hatte gehofft, du würdest meine unbeschriebenen Seiten in Sachen Beziehung mit deiner Handschrift versehen und mit deiner Geduld, deiner Aufmerksamkeit und vor allem deiner Liebe füllen. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass du in vielerlei Hinsicht die erste Frau in meinem Leben bist. Es hat so sehr wehgetan, als du an diesem Dientag abend auf deinem Balkon gemeint hast: „Was spielt es für eine Rolle? In einem Jahr ist es eh´vergessen!“ Du tust mir damit unrecht! Ich werde dich nicht vergessen. Nicht deinen Geburtstag, nicht den Tag, an dem wir zusammen kamen und nicht den Tag, an dem du unserer Beziehung ein Ende bereitet hast. Du bist ein besonderer Mensch in meinem Leben, auch wenn du eine grausame Art gewählt hast, mich aus deinem Leben zu verbannen. Ich will dir die jetzt 3 Wochen unserer Trennung nicht beschreiben, aber die Zeit ohne dich konnte und kann ich noch immer nicht ertragen…
Also bitte ich dich, mich zu lieben, es einfach zuzulassen, sofern es irgendwo in dir ist, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen. Sonst hinterlasse ich dir meine Liebe als Geschenk! Ich kann sie nicht einfach zurücknehmen, denn sie trägt deinen Namen und dein Gesicht. Also behalte sie und mich in Erinnerung in dem Wissen, dass es mindestens einen Menschen in deinem Leben gibt, der dich aufrichtig liebt und bereit war, egal was da auch kommen mag mit dir zu durchqueren.
Ob ich mir eine Antwort auf diesen Brief erhoffe? Ja, alles andere wäre gelogen. Ob ich eine Antwort erwarte? Nein, denn ich weiß, du hast den Platz an deiner Seite bereits neu besetzt. Aber es nicht versucht zu haben, dich noch einmal im Inneren zu berühren, dir in irgendeiner Form nahe zu sein…ich kann es nicht! Diese Wochen haben mein Leben verändert, ob sie an dir spurlos vorbeigezogen sind...ich bete, dass es nicht so ist. Und wenn dich dieser Brief auch nur einen kurzen Augenblick bewegt, war er schon jede einzelne Zeile wert.
In Liebe, leiser Hoffnung, etwas Verzweiflung…
Andy
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schimpanse
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wow andy! ein wirklich schöner brief. schön, dass du ihn hier gepostet hast.
naja, du weisst ja selbst, wie die antwort sicher ausfallen wird, aber bewegen wird der brief sie ganz bestimmt, zumindest, wenn sie einen funken anstand im leibe hat.
wenn es dir guttut, zu wissen, dass sie ihn liest, dann schicke ihn ab. ich persönlich würde es auf keinen fall tun, bin aber in einer anderen situation. ich hätte angst, sie würde sich mit ihrem neuen über meinen seelenstriptease amuesieren. aber wichtig ist, dass du klarkommst. daher: wenn's gut tut, ab dafür. solltest du aber einen moment lang zweifeln, behalte ihn. in einem jahr findest du ihn wieder und denkst dir "wie konnte ich nur". (war zumindest bei meinen liebesbriefen der fall
)
(btw: da ich ja deine geschichte aus dem anderen thread kenne, stelle ich mir gerade vor, dass sie an ihrem ex- und zugleich jetzigem freund möglicherweise doch mehr hängt, als es zunächst den anschein hatte. offensichtlich hat sie dir ja nicht viel erzählt. das würde zumindest einiges verständlicher erscheinen lassen.)
ich kann dich teilweise sehr gut verstehen. vor meiner jetzigen ex hatte ich auch lange keine beziehung.
die letzte beziehung, vier jahre zuvor, war ein einziges disaster. ich war 2 jahre lang seelentröster einer unglücklich verliebten (der angesprochene vamp). später habe ich sogar erfahren, dass ich nicht ihr einziges verhältniss in dieser zeit war. wirklich nicht zu nachahmung empfohlen. damals war ich dauerverletzt, aber dass ist auch verheilt. lust auf eine neue beziehung dannach hatte ich nicht, zumal die gelegenheiten eigentlich auch ausblieben. aber ich hatte etwas immens wichtiges daraus gelernt, nämlich "so etwas will ich NIE wieder!"
durch einen zufall lernte ich vier jahre später dann meine jetzige ex kennen und das hielt ja dann bekanntermassen auch acht schöne jahre.
ein blöder rat in deiner situation, das weiss ich, ich sage ihn aber trotzdem noch einmal: versuche abzuschliessen. mache dir die realität bewusst. versuche es einfach, denn es funktioniert.
liebe grüsse
stefan
- Benutzer
burning_house
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Hi stefan,
wie immer lese ich deine Posts aufmerksam, weil sie eigentlich immer von einer Klarheit geprägt sind, um die ich dich sehr beneide. Es ist jetzt ziemlich auf den Tag genau 3 Wochen her, dass sie mich "verlassen" hat, aber noch immer habe ich diese wirklich schlimmen Tage, an denen ich tränend vor meinem Arbeitsplatz sitze. Und noch immer ist ein Ende dieser..Qual..., wie ich sie nie zuvor erlebt habe, nicht mal andeutungsweise abzusehen. Also tu ich wohl, was so viele andere auch versuchen, es rauszulassen. Ob sie da die richtige Adresse ist? Vermutlich nicht! Und mein Kopf sagt, ich soll es nicht tun, weil selbst diese Worte sie wahrscheinlich nicht erreichen können. Aber mein Herz sagt, tu´ es und wenn es nur um deiner selbst Willen ist, du kannst das nicht auf dir sitzen lassen.
Einen Rat zu geben ist hier schwer, das weiß ich selbst. Danke dir und allen anderen, die es trotzdem Tag für Tag versuchen...


