- Erfahrener Benutzer
WeeQue
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Dem ganzen etwas Positives abgewinnen...
Kann man eigentlich aus all diesem Trennungsschmerz auch etwas Positives herausziehen? Eine Frage, die ich mir schon oft gestellt habe... und es gibt tatsächlich etwas, was ich ohne diese Trennung nicht gehabt hätte:
Ich werde das erste Mal mit Emotionen von mir konfrontiert, die ich zuvor nicht kannte. Daher machen sie mir Angst, ich weiß nicht wie ich mit ihnen umgehen soll. Aber auch das bin ich. Ich erfahre mich selbst, mit allen Facetten die bisher irgendwie im Verborgenen lagen. In den Jahren bevor MEF und ich zusammenkamen, da lief mein Leben einfach so vor sich hin... wie eine flache EKG-Linie. Es gab keine schlimmen Momente, aber es gab auch keine extrem tollen Augenblicke. Irgendwie war das Leben "langweilig", es tat sich nichts. Bis ich dann das erste Mal das Gefühl einer gegenseitigen Liebe erfuhr. Die EKG-Linie war keine Linie mehr, sie bewegte sich. Dann kam die Trennung und auch nun bewegt sie sich, zwar nach unten, aber es tut sich etwas. Und es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass man alle Seiten der Seele fühlen kann. Ja, langsam reicht es... aber vielleicht ist das bei euch ähnlich.
Ich habe kürzlich einen Artikel über einen Krebspatienten gelesen, dem gesagt wurde, dass er nur noch wenige Wochen zu leben hat. Es ging darum, wie er und seine Frau damit umgehen in dem Wissen, dass ihr gemeinsames Leben bald nicht mehr existieren wird. Früher waren mir solche Geschichten auch irgendwie "egal". Jetzt erst durch die Trennung merke ich, wie sehr mich das berührt. Hatte sogar Tränen in den Augen beim Lesen. Weil ich, zumindest ansatzweise, nachvollziehen kann, wie andere Menschen sich fühlen wenn sie verzweifelt sind und keinen Ausweg sehen. Ich weiss nun, dass ich auch solche Emotionen empfinden kann... d.h. ich lebe und bin kein "Zombie"! In diesem Artikel gab es zwei Absätze, die mich sehr berührt und an mich und viele andere aus dem Forum erinnert haben:
"Manchmal ist es besser aufzugeben", sagte der junge Assitenzarzt der Palliativmedizin [...] wohin János schließlich verlegt wurde, um seine Schmerzen zu lindern. "Aber Hoffnung kann doch Berge versetzen und manchmal auch heilen", erwiderte ich trotzig. "Nur im Fernsehen", lächelte er müde. "Wir erleben hier viel öfter, wie sich Menschen quälen, weil sie nicht loslassen können."
Von der Palliativmedizin hatte ich bis dahin nur eine vage Vorstellung. Dankbar akzeptierte ich die plötzliche Wärme und Zuwendung, die uns auf dieser Station entgegengebracht wurden. Erst später verstand ich, dass dies nur deshalb möglich war, weil man hier nicht mehr mit allen Mitteln gegen die Krankheit kämpfte. "Leben ist nicht alles", erklärte mir die junge Oberärztin Monate später. "Wir versuchen, der Hoffnung neue Räume zu öffnen - für die Suche nach Ehrlichkeit, Aussöhnung, Sinn."
So, das war jetzt ziemlich Off-Topic, aber vielleicht könnt ihr irgendwie nachvollziehen, was ich sagen möchte. Bin gerade wieder ein wenig durcheinander
In diesem Sinne... viel Kraft allen!


